Selbstbild

Mit einem unversehrten Selbstbild kann ich ehrlich und aufrichtig dieser Welt begegnen. Dabei sollte ich mich verstehen, für mich da sein und mir etwas zutrauen! Der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit ist eine Kraftquelle.

»Wenn du fliegen willst, musst du die Sachen loslassen, die dich runterziehen.«

Toni Morrison

Selbstbild mit (un)kritischem Blick!

Wer sein Selbstbild zeichnet hat den Stift in der Hand!

Kennen Sie den Blick, als Sie noch Kind waren? Vielleicht haben Sie sich verkleidet oder zu Karneval geschminkt. Oder Sie hatten neue Sachen an. In der Regel waren Sie begeistert und vielleicht auch stolz. Dann kam der erste Pickel und das Selbstbild wurde angekratzt.

Wer sich selbst beobachtet, neigt dazu, sich eher kritisch zu sehen. Wir haben dann Bereiche, die in Ordnung sind und Problembereiche. Wenn ich diese Denkweise einigermaßen in Zaum halte, ist alles in Ordnung. Wir sind aber in der Gefahr, beim Blick in den Spiegel eher kritisch zu blicken. 

Wenn das Denken über mich selbst genauso funktioniert, wird der Glaube, etwas nicht so gut hinzubekommen, größer. Ich deute die kritische Sicht als Realismus und verschiebe damit mein Wahrnehmungsspektrum. Während Sie diesen Artikel lesen, sind Sie vermutlich normal gekleidet und haben sich heute morgen auch gewaschen: Also, alles gut! Sie und Ihr Leben sind in vielen Bereichen völlig normal und es gibt einzelne Bereiche, die Sie noch optimieren möchten: Also, alles bestens!

Ein Gefühl für sich entwickeln!

Mit Selbstbewusstsein ist nicht das Verhalten von Menschen gemeint, die immer stark auftreten, weil sie so von sich überzeugt sind. Die würde ich eher als unreflektiert oder narzisstisch beschreiben. Sie neigen dazu, sich selbst zu erhöhen und spüren sich manchmal wenig. Wer selbstbewusst lebt, ist sich seiner selbst bewusst. Man hat einen ehrlichen und bejahenden Blick auf sich selbst, mit allen Stärken und Schwächen. So bin ich und das ist grundsätzlich gut so. Das Ziel ist also nicht, cool zu werden, sondern lebendig. Die Bejahung meiner Persönlichkeit, meiner Geschlechtlichkeit, meines Alters, meiner Gefühle und Bedürfnisse, meiner Stärken und meiner Grenzen gibt Kraft zum Leben. Wer sich liebevoll betrachtet, kann auch stressfrei auf das schauen, was nicht optimal ist.

Gut über sich reden - Eine echte Zeichenkunst!

Es tut uns gut, wenn wir auf uns achten. Solche Gedanken beschreiben wir oft als Egoismus. Auch wenn da etwas dran ist, wieso sind wir damit einverstanden, uns um die Bedürfnisse anderer zu kümmern und auf sie zu achten und uns selbst gleichzeitig übersehen und missachten? So, wie wir positiv über andere reden, sollten wir auch über uns sprechen. So, wie wir auf die Gefühle anderer eingehen, sollten wir unsere eigenen nicht überspielen. Wir brauchen, um handlungsfähig zu bleiben, ein gesundes Kümmern um uns selbst, auch wenn wir selbstlos leben wollen. Wenn im Notfall im Flugzeug die Masken herunterfallen, ist es lebensnotwendig sie zuerst sich selbst aufzuziehen, um dann anderen zu helfen. Umgekehrt verlieren beide.

Vorbildliche Fruchtfliegen

Bei einem Versuch mit Fruchtfliegen hat man unter ihnen den Boden erhitzt. Einige flogen weg und suchten sich woanders Nahrung, andere blieben sitzen und verkohlten in der Überzeugung, nichts tun zu können. Selbstwirksamkeit ist davon überzeugt, etwas tun zu können und probiert es aus. Für die Fliegen wäre es ein Flügelschlag gewesen.

Wir glauben den Satz aber eher bei unseren Schwächen. Die kurzfristige Reaktion auf unsere Fehler spüren wir schnell. Die langfristige positive Veränderung glauben wir weniger. Wenn wir davon überzeugt sind, nichts ausrichten zu können, verkohlen wir uns selber. Bei Menschen mit hoher Erwartung an ihre Selbstwirksamkeit beobachtet man größere Anstrengung und Ausdauer. Der Glaube an uns selbst, lässt uns wachsen und stärkt in Krisenzeiten unsere Widerstandskraft (Resilienz).

Sabine Konietzko