Lösungsorientierung

Wer über Probleme spricht, findet Probleme, wer über Lösungen spricht, findet Lösungen. Lösungsorientierung verbraucht nicht Energie, sondern setzt in uns Energie frei.

»Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.«

Harald Kostial

Probleme sind Lösungen in Arbeitskleidung

Lösungsorientierung ist Optimismus für Erwachsene

Während Optimismus eine Grundhaltung ist, schaut die Lösungsorientierung nach Wegen. Man schaut dann nicht nur, ob es Wege zur Lösung gibt, sondern wo man sie findet oder welche die geeigneten sind. Wer einen Berg hochklettert, fragt nicht, ob er einen Weg findet, er klettert gern und findet Lösungen.

Wir sind sehr geprägt, in Kategorien von Problembeschreibungen zu denken. Das ist nachvollziehbar, denn nach einer Lösung suche ich nur, wenn ich ein Problem habe. Das wiederum muss ich natürlich erst einmal gründlich beschreiben. Was ist dabei aber unsere Motivation? Sind wir dabei nicht ein wenig versucht, abendfüllend über das Problem zu sprechen? Dadurch wird es immer größer und scheinbar unlösbar. Da diese Ausführlichkeit und Gründlichkeit intelligent wirkt, reicht uns die Problembeschreibung aus, denn wir empfinden sie als erreichte Zielstation.

Die Kuh, das Eis und wir

Wie bekommen wir die Kuh vom Eis? Wenn wir lösungsorientiert denken, dann ist die Problembeschreibung lediglich unser Ausgangspunk. Wie bei einer schönen Schiffsreise winken wir noch einmal und es heisst „Leinen los!“. Wir lösen uns von einer verkrampften Fixierung auf unser Problem und begeben uns auf eine Entdeckungsreise. Es geht bei Lösungen nicht darum zu fragen „Wie kam die Kuh auf das Eis?“ Dann würden wir lediglich nach einem Schuldigen suchen. Es geht darum, sie vom Eis herunter zu bekommen. Anschließend kann ich dann meine Fragen auch loswerden. Wir verdrängen die Schuld und das Problem nicht, wir geben den beiden lediglich einen anderen Platz – nach unserer Lösung. Mit einer geretteten Kuh im Stall kann ich ganz ruhig fragen, wie es dazu gekommen ist.

Möglichkeiten sind immer positiv

Stellen Sie sich eine Gruppe vor, die sich einen Tag lang trifft, um über Lösungen, Hoffnungen und Perspektiven zu sprechen. So sehr wir das kritisch beäugen, so hilfreich ist es. Wir öffnen unser Denken für Möglichkeiten und fragen nach dem „Was jetzt?“ und schauen vielleicht, was bisher geholfen hat. Wenn wir nicht mehr negativ problematisieren, sondern offen nach einer möglichen Zukunft fragen, nutzen wir (so sagt es die Neurowissenschaft) die Möglichkeiten unseres Gehirns besser. 

Lösungsorientierung setzt Energie frei

Anstatt Energie zu verbrauchen, wird bei dem lösungsorientierten Ansatz Energie freigesetzt. Hatte ich vorher Alpträume, wache ich jetzt eher mit einer guten Idee auf. Es schadet uns also nicht, unser Gehirn zu nutzen und ihm freien Lauf zu lassen. Denn wo haben wir die besten Ideen? Nicht selten unter der Dusche! Sie steht symbolisch für die Pause. In den Pausen lösen wir buchstäblich unsere gedankliche Verkrampfung und kommen ganz nebenbei auf Lösungen. So werden die nötigen Verbindungen im Gehirn, z.B. beim Lernen von Vokabeln, in den Lernpausen gebildet. Wir lernen sozusagen im Schlaf. Eine ständige Konzentration auf das Problem mit exakter Problembeschreibung in allen, wirklich allen Facetten, blockiert hingegen meine Denk- und Handlungsfähigkeit. Wer davon ausgeht, zur Lösung etwas beitragen zu können, wird Ideen entwickeln.

Sabine Konietzko