Scheitern lässt uns schamrot leuchten!

Beitrag vom 01. November 2022

Welches Gummibärchen fällt Ihnen auf? Bloß keinen Fehler machen und auffallen, so haben wir es gelernt. Scheitern gehört zum Leben dazu und dennoch investieren wir viel Kraft, es zu vermeiden. Vielleicht macht aber gerade das Scheitern und die aufsteigende Schamröte uns und unser Leben interessant.

Im Scheitern steigt Schamröte in uns auf!

In Deutschland ist das Scheitern schambehaftet. Allein der Erfolg zählt und Scheitern wird als ein Versagen der ganzen Person gesehen. Wenn uns etwas nicht gelingt, möchten wir es am liebsten verbergen. Gelingt das Verbergen nicht, stechen wir farblich so richtig aus der Masse heraus. Was im Erfolg gewünscht ist, wird nun zum Problem. Nutzt man das Scheitern als Chance und lernt daraus, befreit die Schamröte uns von aller Farblosigkeit.

Scheitern im Beruf

Menschen, die in Deutschland zwei Mal beruflich gescheitert sind, werden abgestempelt und isoliert. Man traut Ihnen nichts mehr zu und gibt Ihnen keine neue Chance. Einmal Konkurs anmelden und es wird kompliziert, beim zweiten Mal möchte man am liebsten das Land verlassen. Es schwebt der Satz „Mit dem stimmt was nicht!“ wie ein Damoklesschwert über einem.

In den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern ist es genau umgekehrt. Man würde eher nach den Erfahrungen fragen und diese würdigen. Man würde den Mut des Neuanfangs bestaunen. Es geht dann nicht um die Chance, sich zu beweisen, sondern Zutrauen, aus den Fehlern gelernt zu haben. Diese Sichtweise verleiht den Menschen Farbe. Unsere deutsche Sichtweise birgt die Gefahr der Farblosigkeit.

Scheitern im der Beziehung

Wenn man in Freundschaften oder Partnerschaften in Schwierigkeiten gerät, ist das Entsetzen groß. Auch hier neigen Menschen zum Schweigen und Vertuschen. Alle anderen Paare, so denkt man, haben keine Probleme. Da wir uns mit einem romantischen Idealbild quälen, kommt es leichter zu Abbrüchen in den Beziehungen. Wenn wir die Fehler als Teil der Beziehung akzeptieren, werden sie nicht zum Mittelpunkt der Beziehung.

Burnout und das persönliche Scheitern

Wenn ich ausgebrannt bin, ist es sehr leicht, Menschen zu finden, die mir sagen, was ich hätte besser machen können. Gerne melden Sie sich auch ungefragt bei uns und geben uns Abendfüllend Ratschläge. Folgen wir dem positiven Gedanken des Scheiterns, macht es aus dem Gegenüber einen „Ungelernten“. Jemand mit einem Burnout wäre in dem Moment dann ein „Lernender“.

Das Glück des Scheiterns

Karl Lagerfeld sagte zu unserer Thematik den wunderbaren Satz: „Man lernt nur aus seinen Fehlern, Erfolg hat noch keinem geholfen!“ Der erste Teil ist vielleicht nachvollziehbar, aber der zweite lässt uns aufmerken. Erfolgreich sind die Gummibärchen produziert und hingelegt worden. Stellen wir uns das Bild mal ohne das rote Gummibärchen vor – wie langweilig. Der vermeintliche Fehler macht das Bild aus und lässt uns aufmerken. Scheitern lässt uns mit schamroter Farbe leuchten. Was machen wir also, wenn das nächste Projekt suboptimal gelaufen ist? Wir stellen uns vor den Spiegel, schauen uns in die Augen und staunen: „Ich bin ein lernender Mensch und damit eine lebendige Seele!“