Nichtschwimmer!

Beitrag vom 15. September 2022

Wie wunderbar – ein Wasserläufer. Die anderen Insekten schielen ein wenig neidisch, heben seine vermeintliche Unfähigkeit hervor und thematisieren Probleme eines Nichtschwimmers. Er hat schließlich nicht einmal das Seepferdchen-Abzeichen. Was machen wir, wenn andere anders sind?

Nichtschwimmer Wir müssen einander nicht abstempeln!

Der Wasserläufer kann auf Wasser laufen – wir nicht. Generationen von Christen haben es versucht und sind, meines Wissens nach, alle gescheitert. Manch einer kann Dinge, die andere nicht können. Wie reagieren wir darauf? Auch wenn wir uns selber gerne als individuell und besonders beschreiben, wird es problematisch, wenn  mein Gegenüber besonders ist. Man schielt dann ein wenig auf die Besonderheit und sucht einen Fehler. So wie ein Wasserläufer tatsächlich ein Nichtschwimmer ist, so machen wir bei anderen aus einer Schwäche eine Hauptaussage über die Person und stempeln einander ab.

Nichtschwimmer – Wir lassen uns bereichern!

So wie es viele Insektenarten gibt, gehören z.B. hochsensible Menschen auch zu der Gattung Mensch. Sie können einiges, was andere nicht können und einiges auch nicht. Durch ihre Sensibilität nehmen sie ihr Umfeld stärker wahr und machen auf Störendes (z.B. Lautstärke) aufmerksam. Aber „Ich sehe was, was du nicht siehst!“ funktioniert nur bei Kindern gut, Erwachsene reagieren mit Unverständnis oder Aggressivität. Schnell werden sie als „zu empfindlich“ entlarvt. Im Rudel zeichnen sich hochsensible Tiere dadurch aus, dass sie die Gefahr wittern und Wasserstellen finden und sind ein notwendiger Teil des Ganzen. Sie werden gebraucht und akzeptiert. Sie abzulehnen, würde das Überleben des Rudels gefährden.

Also los – Werden und bleiben wir dialogfähig!

Lehne ich einen Menschen ab, zeigt es mein Unvermögen, lernfähig zu sein. Andere nicht zu tolerieren und klein zu machen, vereinfacht das Leben, simplifiziert es aber auch. Deshalb ist es gut, ein staunender und lernender Mensch zu bleiben, denn Menschen sind und bleiben unterschiedlich. 

Staunend können wir die Lösungswege anderer begleiten und uns dadurch ergänzen lassen. Beim nächsten „Unverständnis“ dürfen wir wahrnehmen, dass uns etwas fehlt und wir Verständnis in uns entwickeln können. Verstanden?

Der Unterschied ist sehr fein. Ich kann fragen „Warum machst du das so?“ und mein Gegenüber in die Enge drängen. Oder wir bekennen „Ich verstehe es nicht. Kannst du mir das bitte erklären!“ und ermöglichen einen Dialog. Wer einen Dialog ermöglicht, der kann auch auf Wasser laufen (doch noch Hoffnung für Christen?). Ein gesundes Bewusstsein von Diversität bereichert uns. „Diversität (so die Universität Wien) bezeichnet Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen.“ Bei der nächsten Gelegenheit, in der wir mit einer Hauptaussage Menschen abstempeln möchten, könnten wir auch ins Denken kommen und farbenfrohere Bilder voneinander malen. Verstanden?