Der entspannte Zappelphilipp!

Beitrag vom 01. Oktober 2023

Kinder bewegen sich gern! Als Erwachsene meinen viele, es den Kinder abtrainieren zu müssen. Vielleicht ist das ein wenig hilfreicher Ansatz.

Kind, sitz still und sei kein Zappelphilipp!

Wie schnell kritisieren Eltern bei den Mahlzeiten ihre Kinder und sehen es als Zappelphilipp. Wenn dann noch ein Glas umfällt, bricht anscheinend die ganze Welt zusammen. Für Kinder kann so die gemeinsame Mahlzeit vom Begegnungspunkt zum Angstpunkt werden. Bloß nichts falsch machen. Da Kinder sich im Wachstum befinden, muss sich z.B. der Körper immer neu justieren und die Entfernung zum Glas neu einschätzen. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihrem Kind jede Woche ein anderes Fahrrad geben, darauf muss es sich auch neu einstellen. Als bei Freunden die Tochter wieder einmal das Wasserglas umkippte und ängstlich zur Mutter schaute, kippte die Mutter ihr Wasserglas auch um mit den Worten „Passiert halt!“. Das anschließende Lachgewitter hatte einen reinigenden Effekt und der Tisch war auch frisch gewischt.

Zappelphilipp & ADHS

In der Geschichte vom Zappelphilipp sehen heute viele Menschen die Beschreibung von Kindern mit ADHS. Nach Erscheinen des Kinderbuches outete sich der Arzt Philipp Julius von Fabricius (ein guter Bekannter Hoffmanns) als Vorbild für die Erzählung. Wie viel Leid hat man Kinder erleben lassen, weil man auf ihre Situation und Eigenart nicht eingehen konnte. Der Appell „zappel nicht“ führt übrigens zu einer körperlichen und emotionalen Verspannung.

ADHS & Lebendigkeit

Nicht jedes Kind, das am Tisch nicht still sitzt, hat ADHS. Vielleicht ist es einfach aktiver und lebendiger. Vielleicht fühlt es sich so wohl, dass es sich frei bewegt. Vielleicht erlebt es ein gutes Zuhause, in dem es keine Angst hat. Interessanter Weise führt ein häufiges Zappeln zu mehr Beweglichkeit. Erwachsene, die den ganzen Tag starr vor einem Computer sitzen, sind abends auch nicht beweglicher geworden. Sie entwickeln eine Starrkörperlichkeit, die sie aufwändig im Fitnessstudio bearbeiten. Was wäre, wenn Zappeln ein gutes Zeichen für ein bewegliches Leben wäre? Dann wäre uns klar, dass Zappeln zu mehr Beweglichkeit führt und wir z.B. beim Schulterblick den Hals weiter drehen können. Es wäre auch klar, dass Zappeln nicht zu Verspannungen führt.

Lebendigkeit & Entspannung

Wenn ich körperlich weniger starr bin, fällt es mir auch leichter, gedanklich zu „zappeln“. Dann sage ich weniger „Das wird nichts.“ oder „Hauptsache die Pflicht ist erfüllt.“. Ich sage eher „Da geht was.“ Oder „Das macht Spaß.“. Starrsinn und Starrkörperlichkeit ist in Ordnung, wenn die Körpertemperatur unter 20 Grad liegt. Alles vorher verlangt nach Lebendigkeit. So wie ich mit ein wenig Übung die körperliche Bewegung erlernen kann, so kann ich es auch für meine Gedankenwelt tun. So kann ein Zappeln zu einer gesunden Entspannung führen.