Wer alle Fehler ausradiert, wird unvollkommen!

Beitrag vom 01. April 2023

Wer seinen Selbstwert steigern möchte, darf lernen, zufrieden mit sich zu sein, auch wenn er unvollkommen ist. Zufriedene Menschen können den Selbstradierer gelassen bei Seite legen.

Unvollkommen lebensfähig!

Wir Menschen möchten uns gerne optimieren und möglichst fehlerlos sein. Darum arbeiten wir hart an uns und gehen in die Selbstkritik. Auch wenn diese angebracht ist, birgt sie gleichzeitig auch eine Gefahr in sich. Ich zweifle an mir und mein Selbstwert geht in den Keller. Ich merke, ich bin unvollkommen und fokussiere mich darauf. Um glücklich und bejahend zu sein, braucht es einen gesunden Selbstwert.

Unvollkommen ausgeglichen!

Um einen ausgeglichenen Selbstwert zu haben, brauche ich sicherlich ein funktionierendes, soziales Netzwerk und eine ausreichende soziale Kompetenz. Ich brauche Menschen, denen ich vertrauen und auf die ich mich verlassen kann. Ich brauche Freunde, die auch meine Schattenseiten akzeptieren und in der Not zu mir stehen. Gleichzeitig brauche ich die innere Kraft, mit Menschen umgehen zu können und auch schwierige Situationen durchstehen zu können. Dabei ist es hilfreich, wenn ich flexibel reagieren kann und auch positives Feedback (-das, was wir immer wieder überhören oder herunterspielen) annehmen kann. Diese beiden Bereiche sind aber nur die „halbe Miete“. Die „volle Miete“ braucht eben auch den inneren Anteil, der vor der Beziehung steht. Es geht dabei um die innere Akzeptanz meiner Selbst und um das Selbstvertrauen.

Selbstakzeptanz als Ziel!

Wer möchte sich nicht in sich selbst zu Hause fühlen oder eins mit sich sein. Das klingt aber fast zu esoterisch, um wahr zu sein. Gleichzeitig haben wir es gelernt, uns selbst zu trainieren. Es geht ständig um Entwicklung und Optimierung. Schwächen werden als Herausforderung wahrgenommen, die wir ausradieren wollen. Selbstakzeptanz ist aber genau das Gegenteil. Ich lerne zu meinen Schwächen zu stehen und fühle mich wohl in meiner Haut. Sie ist die Basis für Entwicklung. Wenn ich ein gutes Selbstbild habe und zufrieden mit mir selbst bin, gewinne ich Energie, die ich bei einer selbstkritischen Haltung verlieren würde. Diese Energie kann ich dann nutzen, um an meinen Schwächen zu arbeiten – wohlwollend, akzeptierend und geduldig. Das Ziel „Zufrieden mit sich selbst zu sein“ ist höher als das Verändern der Schwächen. Mit sich zufrieden zu sein, kann man nicht durch Optimierung, sondern durch eine positive Akzeptanz erreichen. Es geht nicht um ein verzweifeltes „Na, so bin ich leider.“ sondern um eine Zufriedenheit, obwohl man in den Spiegel sieht. Wer mit sich zufrieden sein möchte, darf lernen, liebevoll auf sich zu schauen. Unsere Macken machen uns eben auch aus.

Lebendige Persönlichkeit kommunizieren!

Die Königsklasse der Selbstakzeptanz ist die Kommunikation darüber. Kann ich ehrlich zu mir stehen und von meinen Schwächen erzählen? Vielleicht finden Sie sogar Menschen, denen es ähnlich geht. Vielleicht wird eine Begegnung sogar intensiv und Sie erleben eine verbindende Tiefe miteinander. Wer nur von seinen Erfolgen spricht, kann auch einen Abend lang über das Wetter reden. Gerade in Selbsthilfegruppen – egal welche – kann eine große Tiefe erlebt werden, weil der akzeptierende Blick auf einen selbst sich breit machen kann. Vielleicht lassen Sie in einem nächsten Gespräch einmal verlauten „Das kann ich nicht so gut!“. Mal schauen, was passiert. Und jetzt? Jetzt stellen Sie sich von den nächsten Spiegel, schauen sich wertschätzend in die Augen und sagen sich einen selbstakzeptierenden Satz.