Pausen sind reizend!

Beitrag vom 15. Juni 2023

Menschen suchen Pausen, Auszeit und Zeit für sich. Wenn uns das auch in unserer Kommunikation gelänge, könnten wir Freiräume entdecken, die uns entspannen.

Wir sind schnell und brauchen keine Pausen!

Wir erleben oder hören etwas und die Reaktion erfolgt auf dem Fuße. Im Millisekundenbereich fällt uns eine Antwort oder sogar eine Lösung ein. Darauf könnten wir stolz sein, wenn es nicht bedeuten würde, nicht nachgedacht zu haben.

Dieses schnelle Handeln ist besonders in gefährlichen Momenten wichtig. Zusätzlich brauchen wir es in Momenten der Alltagsroutine. Niemand braucht es, beim Fahrradfahren ständig denken zu müssen: „rechter Fuß, linker Fuß“. Wir sind in der Lage uns zu automatisieren und das ist gut so – aber nicht immer. Jemand sagt etwas, was uns ärgert und wir reagieren sofort – ohne nachzudenken. Wie in einem Schnappschuss haben wir von Menschen und Situationen ein eingefrorenes Bild. Wir reagieren in so einem Moment nicht auf diesen Menschen in seiner momentanen Verfassung, sondern auf unser Bild, unsere vorgefasste Meinung von der Person und der Situation. Innerlich brennt sich dieses Bild ein und wie mit einem Filter blenden wir vieles aus. Das komplexe Bild verliert sich in Unschärfe. Das Denken erfolgt hinterher. Hätten wir uns nur eine Pause gegönnt.

Pausen entdecken!

Der Kaffee auf dem Bild ist ein Symbol für die Pausen. Ich lege meine Dinge kurz beiseite und denke nach. Danach gehen die Dinge oft leichter oder wir kommen plötzlich auf andere Ideen. Die guten Ideen kommen ja nicht im schnellen Schlagabtausch, sondern unter der Dusche. Vielleicht sollte man so manchen Konflikt unterbrechen mit den Worten: „Ich geh mal duschen!“ Eine Denkpause macht den Unterschied, denn sie unterbricht unser Reiz-Reaktionsmuster.

Pausen lassen die eigene Macht genießen!

Viktor Frankl beschrieb das Phänomen von Reiz und Reaktion und will damit auf Möglichkeiten aufmerksam machen. Er schrieb:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.
In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.
In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklungen und unsere Freiheit.

 

Letztendlich haben wir die Macht über unsere Reaktionen, wenn wir uns Zeit gönnen. In Konflikten rattern wir stereotyp die gleichen Dinge runter – ohne nachzudenken. Dadurch verdichten sich Gedanken und die Denkfähigkeit reduziert sich auf wenige Sätze. Ehrlich! 

Wenn wir das „Pferd“ von dem Gedanken unserer Macht her aufzäumen, dann ermöglichen wir uns, die Situation anders zu beschreiben. Denn jetzt üben wir keine Macht über andere aus, sondern über uns selbst. Wir reduzieren unser Gegenüber und die Situationen nicht mehr, sondern wir entdecken unsere Fähigkeit, die Dinge auch anders zu sehen. Wir entdecken unsere Freiheit nicht darin, dass wir Recht bekommen, sondern darin, dass wir uns als Person entwickeln können.