Gegenwart schenken!

Beitrag vom 15. Dezember 2022

Wo sind wir gerade mit unseren Gedanken? Sind wir vielleicht schnell abgelenkt? Laut einer Studie macht uns Ablenkung sogar unglücklich. Schauen wir also mal auf das, was uns glücklich macht.

Dabei Bleiben ist Alles!

Bei Kindern ist es uns schnell klar. Ich kann einem Kind beim balancieren helfen oder ich kann dem Kind Gegenwart schenken, indem ich meine Aufmerksamkeit auf es lenke. In der Regel merkt das Kind diesen himmelweiten Unterschied.

Wenn Erwachsene miteinander sprechen, hört man nicht selten den Satz „Bist du gerade bei mir?“ Wir kennen den Unterschied und genießen es, wenn wir konzentriert beieinander sind. Wir möchten also alle die Aufmerksamkeit des Gegenübers.

In einer Studie erforschten die Wissenschaftler  um Matt Killingsworth den Zusammenhang von Glück und wandernden Gedanken. Über ihr Handy wurden die Teilnehmer regelmäßig nach ihrem Wohlbefinden, und ob sie gerade an etwa anderes denken, gefragt. Erstaunlicherweise gaben die Probanden in 47% der Abfragen zu, gerade an etwas anderes zu denken. Sie nannten es die wandernden Gedanken und beschrieben damit ein Phänomen, das  uns gut bekannt ist.

Wenn wir Gegenwart schenken, sind wir die Gewinner!

Es scheint uns also schwer zu fallen, bei der Sache zu bleiben. Natürlich gibt es Dinge, bei denen es uns leichter fällt. So ist Sex in der Studie auf Platz 1, wenn es darum geht, ablenkungsfrei Gegenwart zu schenken, wenn auch nicht zu 100%, aber immerhin über 30%. Weit dahinter liegen Sport, spielen und das intensive Gespräch. Wir denken, dass so ein Verhalten unser Gegenüber glücklich macht und reißen uns zusammen.

Aber warum sind wir überhaupt mit den Gedanken woanders? Wir denken an andere Dinge, weil wir meinen, dass es uns glücklicher macht. Bei so manchen langweiligen Gesprächen oder wenn wir im Stau stehen, meinen wir, uns mit Ablenkung helfen zu müssen und vermuten: Weil wir unzufrieden sind, denken wir an andere Dinge und die machen uns glücklich. 

In ihrer Studie „A wandering mind is an unhappy mind!“ stellen die Wissenschaftler das Gegenteil heraus: Wer in der Gegenwart an Anderes denkt, wird unglücklicher!  Das würde bedeuten, dass wir in 47% unseres Alltages uns selbst unglücklicher machen, weil wir unsere Gedanken wandern lassen. Sie sagen sehr deutlich: Je mehr ich im Hier und Jetzt bleibe, desto zufriedener bin ich. Und das gilt nicht nur für angenehme Erlebnisse. Selbst wenn ich im Stau stehe, bin ich glücklicher, wenn meine Gedanken nicht woanders sind sondern ich mir selbst Gegenwart schenke.

Glück bedeutet im Hier und Jetzt zu leben!

Wir könnten die 53%, in denen wir in der Gegenwart sind, nutzen und ausbauen. Halten wir bewusst die Hand des Kindes, macht es uns glücklicher. Setzen wir uns kurz hin und hören aufmerksam zu, wenn uns etwas erzählt wird, macht es uns glücklicher. Dann klappte es übrigens in der Studie auch mit dem Sex besser. Stehen wir bewusst an der Kasse in der Schlange, macht es uns glücklicher. Vielleicht können wir dadurch sogar die Gegenwart auch für andere verändern.

Irgendwie erinnern diese Forschungsergebnisse doch sehr an so manche religiösen und therapeutischen Empfehlungen, die uns darin unterstützen wollen, bei uns zu sein. Schon „der kleine Prinz“ machte uns darauf aufmerksam. Vielleicht weil es auch ohne Studie schon längst klar war: Wem es gelingt, bei der Sache zu bleiben, der macht sich glücklicher!