Eigenlob duftet!

Beitrag vom 15. Januar 2023

Wer denkt bei Lavendeln an Gestank? Niemand wirft der Pflanze vor, dass sie sich doch bitte etwas zurücknehmen soll. Wer stuft sie als Angeberin ein? Wir genießen den Duft und sollten uns inspirieren lassen, unseren eigenen Duft zu loben. Dazu hilft uns ein gesundes Eigenlob!

Eigenlob stinkt nicht!

Wenn Menschen aufgefordert werden, etwas positives über sich zu sagen, kommen viele ins Stocken. Nach ein wenig nachdenken werden kleine oder klein gehaltene Eigenschaften vorsichtig genannt. Sicherlich, eher narzistisch geprägte Menschen werden fragen „Wieso nur ‚etwas‘ positives? Gab es den Begriff positiv vor meiner Geburt überhaupt?“. Schnell können sie seitenfüllend Eigenlob auflisten. 

Andere tun sich mit dem Gedanken etwas schwerer. Man kennt sich selbst zu genüge und in unserer auf Weiterentwicklung geprägten Gesellschaft fällt uns die Selbstkritik deutlich leichter. Dennoch würden wir doch jeder Person (naja, fast jeder) gute Eigenschaften zusprechen und können sie loben. Bei uns selbst hingegen neigen wir zu einer gewissen Selbstunfreundlichkeit!

Die Gabe der Selbstunfreundlichkeit!

Ständige Selbstkritik optimiert nicht, sie stört die Entwicklung, denn ich sehe mich selbst defizitär. Die Betonung liegt hier auf dem Begriff „ständig“. Zur Weiterentwicklung muss ich natürlich mein Denken und Handeln auch kritisch reflektieren. Wer aber permanent meint, sich optimieren zu müssen und negativ über sich denkt, darf dieses Verhalten gerne einmal kritisch betrachten. Selbstkritik ist dann hilfreich, wenn sie auf dem Boden der Selbstannahme wächst. Wer positiv über sich sprechen und denken kann, den entwurzelt eine Selbstkritik nicht. 

Eine negative Selbstkritik hingegen entwurzelt uns und zerstört das Selbstvertrauen. Sie gebiert die Selbstunfreundlichkeit in uns. Innerlich fühlen wir uns angetrieben, schlecht über uns zu denken und es zusätzlich allen recht zu machen. Das macht uns unzufrieden und die Selbstunfreundlichkeit bekommt Kinder, denn um uns zu wehren, loben wir uns nicht, sondern beginnen als Gegenwehr kritisch über andere zu denken. Na vielen Dank!

Eigenlob stimmt!

Jeder Mensch hat eine eigene Denk- und Handlungsweise, die einzigartig macht. Wer positiv lobend auf sich schaut, wird positives entdecken und kann es dann sogar fördern. Es geht ja nicht um eine Selbsterhöhung, sondern um einen hilfreichen, realistischen Blick, der stimmt! Da ist es übrigens förderlich, wenn Sie positive Aussagen anderer über sich bemerken und vielleicht sogar sammeln (man kann sie sich auch aufschreiben). Denn sehr schnell ergänzen wir mit einem abwertenden „aber“ und das Lob kommt nicht in unserem Innersten an. Wir haben gelernt, dass Eigenlob stinkt und lassen so positive Aussagen an uns abprallen. Ändern wir die Formulierung „Ja, aber…!“ in: „Dankeschön!“ und lernen, Gutes über uns zu denken und es uns letztlich selbst zuzusprechen. So ergänzen wir die Selbstkritik und bekommen ein ausgewogenes Bild von uns selbst.

Natürlich kann das Umfeld nicht immer gut damit umgehen. Wenn man sich selbst vor anderen lobt und vielleicht die eigene Karriere betont, gerät man in die Kritik. Es geht aber beim Eigenlob nicht darum, sich vor anderen zu loben, sondern mit einem durch Eigenlob gestärkten Selbstbewusstsein anderen zu begegnen. Gönnen wir uns also diesen positiven Blick auf uns selbst und entdecken den Duft des Eigenlobs. Den wird auch unser Umfeld positiv wahrnehmen und mit uns in Kontakt gehen.