Schon vergeben?

Beitrag vom 01. Februar 2023

Bei einer Partnerschaft denkt man an schöne gemeinsame Zeiten, Lebensziele und -glück. Doch dann passiert etwas Verletzendes. Man ist enttäuscht, verzweifelt und wütend. Das ist der Moment, wo die Beziehung durch Vergebung gefestigt und gestärkt werden kann.

Wer vergeben ist, lernt vergeben!

Was denkt man sich, wenn man heiraten möchte? Da geht es um das Brautkleid, DJ und Catering und ewiges Glück. Auch wenn man sich dabei mal streitet, ist es schnell vergeben; plant und erhofft man doch ein glückliches, gemeinsames Leben. Wer denkt dann daran, dass die Fähigkeit, vergeben zu können, zu einer starken Beziehung fest dazu gehört.

Vergebungsgedanken sind keine vergebliche Gedanken!

Bei allen Streitigkeiten, die irgendwie dazu gehören, wird man irgendwann mehr als enttäuscht. So hatte man sich die Beziehung nicht vorgestellt. Warum tut er/sie so etwas? Das können unangenehme Verhaltensweisen und Entscheidungen sein oder es sind dramatische Einschnitte in das Vertrauensverhältnis. Man kann nicht mehr vertrauen und geht in eine ungesunde Distanz. Voll berechtigter Vorwürfe zieht man sich zurück. Da hilft der Satz “Bitte vergib mir, ich tue das nicht wieder!“ oft wenig. Warum und wie kann ich wieder vertrauen? Das kann der klassische Ehebruch, ungesunder Umgang mit dem gemeinsamen Geld oder die Entdeckung einer Lebenslüge sein. Ich stehe erst einmal da und bin wie vor den Kopf gestoßen. Jetzt einfach vergeben und weiter, das ist zu leicht gedacht. Dennoch lohnt es sich, nicht nur zu rasen, sondern auch zu denken – vielleicht sogar Vergebungsgedanken.

Vergebung findet am Ende der Wut statt!

Schmerz und Enttäuschung brauchen Raum und Zeit. Jetzt zwanghaft über die Verletzung hinwegzusehen, vergrößert die Schmerzen. Zu oft wurde Vergebung von Menschen zu früh erwartet und hat sie noch mehr verletzt oder entstellt. Vergebung ist immer freiwillig und Teil eines Prozesses. Die in uns aufkommende Wut ist nicht nur berechtigt, sondern auch eine sehr wichtige Kraftquelle. Sie hilft uns, unsere Position zu finden und sie deutlich zu machen, Grenzen aufzuzeigen und ermöglicht nötige Veränderung. Wenn ich aber nur in der Wut bleibe, entstellt sie mich zu einem wütendem Menschen. Es geht bei der Vergebung also nicht darum, sehr schnell zu vergeben, sondern sie in einem Prozess als befreiende Beziehungskraft zu entdecken. Vielleicht ist dann nicht immer alles gut und schon gar nicht alles wie vorher. Bei einer körperlichen Wunde kann auch eine Narbe bleiben, die bei Wetterumschwung schmerzt. Dennoch würde man sich als heil betrachten und dankbar auf die Überwindung der Verletzung zurück schauen.

Vergebung fruchtet in uns!

Wenn wir uns die Frucht der Vergebung ansehen, so entdecken wir Versöhnung. Wie schön und beglückend ist es, wenn Menschen versöhnt miteinander leben. An Anfang einer Beziehung ist man begeistert oder verliebt, aber nicht versöhnt. Das kommt erst nach Enttäuschung und Vergebung. So kann die Vergebung ein wichtiger Schritt in der Festigung der Beziehung sein. Viele Paare, die sich z.B. mit einem Ehebruch auseinandersetzen mussten, wären sicherlich lieber in einen Urlaub gefahren. Sie berichten aber häufig davon, wieviel enger die Beziehung durch den Vorfall geworden ist – mehr als es durch einen Urlaub hätte geschehen können. Wir entdecken dabei in uns die Fähigkeit der Vergebung. 

Vergebung ist machtvoller Ausdruck von Beziehung!

Nicht das Ahnden von Fehlern verleiht uns Kraft, sondern das Vergeben. Sie macht uns beziehungsstark. Gerade in den letzten Jahren der Corona-Pandemie sind viele Beziehungen und Freundschaften zerbrochen. Häufig sagen Menschen, sie können auch ohne die anderen und sind jetzt freier. Wo und wie aber wäre unsere Leben in einer durch gelebte Vergebung gestärkte Beziehungen? Der Mensch mag die Einsamkeit suchen, braucht aber den Menschen. Das haben die Menschen seit Menschengedenken verstanden und gesucht. Es geht in Beziehungen nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Lösungswege, die der Beziehung Tiefe und Festigkeit schenken.