Die schöne Welt der anderen!

Beitrag vom 15. Mai 2023

Wir vergleichen so gerne und schauen auf das gelingende Leben der anderen. Wir blicken nicht nur neidvoll auf materielle Unterschiede sondern nehmen auch in der Lebensführung eher die positiven Dinge wahr.

Alle anderen kommen klar!

Diesen Satz habe ich in den Jahre der Paarberatung sehr häufig gehört. Da sitzt mir ein Paar zum ersten Mal gegenüber und sie erzählen von ihren Problemen. Dann platzt der Satz „Die anderen kommen klar, nur wir haben Probleme!“ machmal aus der Frau, manchmal aus dem Mann heraus. Das liegt oft daran, dass man die anderen Paare eher in guten Situationen erlebt und sich nicht vorstellen kann, dass sie ähnliche Probleme haben. Da sich die Probleme oft um Kleinigkeiten drehen, wird das Gespräch durch eine gute Portion Scham gelähmt.

Die Klugen kommunizieren!

Der Gedanke, alles ohne Gespräch und Hilfe zu schaffen, strotzt nicht vor Intelligenz. Mir ist z.B. kein Fall bekannt, bei dem bei einer Geburt eine Bedienungsanleitung oder wenigsten ein hilfreicher Youtube-Link mit herausgekommen ist. Uns allen ist klar, Eltern wird man, indem man es übt und lernt. Ist es in einer Partnerschaft nicht ähnlich? Man erlebt eine glückliche Paarbeziehung, indem man es übt und lernt. Dabei geht es nicht darum, dass alle in eine Paartherapie müssen. Es reicht doch, wenn man die Probleme nicht für sich behält, miteinander kommuniziert entwickelt und sich vielleicht guten Freunden anvertraut. Klar muss sein: Ihr seid nicht allein! Viele der Probleme sind lösbarer, weil wir uns nicht abkapseln.

Der Mensch braucht den Menschen! 

Wir sind nicht dazu geschaffen, uns zurückzuziehen. Wir Menschen brauchen einander und das gilt auch für Paare. Ein vertrauliches, offenes Gespräch lässt uns merken, dass andere Paare ähnliche Sorgen und Hindernisse haben. Im Dialog mit anderen können wir Hilfe erfahren, nicht weil die es besser wissen oder können, sondern weil sie zuhören und uns Raum geben. Das macht Platz für Lösungen. Im Gegenteil: Zu einer guten Beziehung gehören Krisen, weil dort die Beziehung wächst. Es geht also nicht um eine gelungene Partnerschaft, sondern um eine sich entwickelnde. Und die schaut nicht neidisch auf andere, sondern spricht miteinander und mit anderen.