Mitgefühl zeigen

Beitrag vom 15. Juni 2022

Elefanten können es. Menschen können es auch, gehen aber sehr gerne zur Tagesordnung über. Zu viel Mitgefühl wird als Hindernis oder Störung gesehen. Was wäre, wenn Mitgefühl eine gute menschliche Eigenschaft wäre? Vielleicht gäbe es ein Schulfach darüber.

Sensible Dickhäuter zeigen Mitgefühl!

Es ist wirklich faszinierend, wie sensibel Elefanten sind. Sie sind Herdentiere, die in guter Beziehung zueinander stehen und Mitgefühl zeigen können. Stirbt einer von ihnen, nehmen sich die anderen die Zeit zu trauern. Sie bleiben lange dort und kehren öfters auch zum Knochengerüst zurück. Besonders wenn junge Elefanten sterben, leidet nicht nur die Muttertier, das ganze Rudel trauert mit. Für die Wissenschaft und auch für uns ein Phänomen. 

Mitgefühl hat seine Grenzen!

Wir staunen und sich begeistert über die sensiblen Dickhäuter. So müssten wir Menschen doch sein und nicht immer schnell zur Tagesordnung übergehen. Trauert aber jemand einen Moment zu lange, ist er vielleicht sogar mitfühlend, gehen wir in die Kritik. Wie häufig haben mir Verwitwete erzählt, wie ihr Umfeld erwartet, dass sie die Trauer unter die Füße bekommen und einfach wieder funktionieren sollen. Erleben Menschen die Welt anders, – sensibler, mitfühlender, anteilnehmender – wird es als Schwäche gesehen.

Du bist aber empfindlich!

Mit diesem Satz werden hochsensible Menschen sehr häufig konfrontiert. In 95% wird dieser Satz nicht staunend ausgesprochen sondern als Vorwurf. Daran sollte man noch arbeiten, um stabiler im Leben zu sein. Sagen Sie das mal einem Elefanten, der wird Ihnen den Marsch blasen. Nein, könnte man antworten, auf gar keinen Fall!

Kritisiert wird, was nicht Durchschnitt ist und uns vielleicht herausfordert. Vielleicht gilt auch hier der Satz, der mir in der Begleitung von Managern begegnet ist: „Ein Baum, der aus dem Wald heraussticht, wird gekappt!“ Wenn man gut ist, ist es gut. Leistet man aber mehr als andere, wird man zur Bedrohung und muss bekämpft werden. Immer wieder müssen Erfolgreiche ihre Position verlassen, weil das Umfeld es nicht will. Empfindsamkeit sticht auch ein wenig heraus und hochsensible Menschen lernen von Kindheit an, sie zu unterdrücken.

Mitgefühl ist eine hochsensible Stärke!

Wer empfindlich ist, ist empfindsam. Wer sensibel ist, besitzt die Stärke der Sensibilität und nimmt mehr wahr als andere. Wer mitleidet, kann Mitgefühl zeigen. Das ist eine große Stärke hochsensibler Menschen. Dabei geht es nicht nur um Leid. Dabei geht es eben auch um Schönheit. Wer empfindsam ist, sieht in einem Gemälde vielleicht mehr als andere. Wer sensibel ist, kann vielleicht ein guter Berater (egal welches Fachgebiet) sein. Das wird oft übersehen und Empfindsamkeit wird abgelehnt. Warum? 

Warum sollen Menschen, die gut fühlen können, nicht fühlen? Mitgefühl ist meiner Kenntnis nach eine menschliche Eigenschaft und wenn ich mich nicht irre, sogar eine sehr positive. Es ist elementar für die Gesellschaft, eine solche Gabe in sich zu entwickeln und dem Umfeld zur Verfügung zu stellen. Nicht als Besserwisser oder Besserfühler, auch nicht als Überforderter, der sich zurückzieht, sondern als Teil des Ganzen, der die Gemeinschaft mit seiner Wahrnehmung ergänzt. So ist und bleibt Empfindsamkeit Bürde und Genuss zugleich. Auf  alle Fälle aber gesund eingebracht ein Gewinn für alle.