Kinder gut beschreiben!

Beitrag vom 30. Juli 2022

Niemand braucht ein Etikett! Hochsensible Kindern erst recht nicht. Dieses Denken ist wenig hilfreich, da es das Kind nur eingrenzt. Lernen wir also, das Kind zu beschreiben! Was genau können Sie beobachten? Ein hochsensibles Kind zu beschreiben, macht deutlich, wie farbenfroh und facettenreich es ist.

Beschreiben Sie Ihr hochsensibles Kind!

Mein Kind ist hochsensibel! Dieser Satz wird in der Regel erst einmal als Erleichterung ausgesprochen. Endlich gibt es einen Namen dafür und es ist nicht so schlimm. Beim zweiten Aussprechen wird es plötzlich schlimmer. Man bündelt unter diesem Begriff all die negativen Beobachtung der letzten Jahre. Ihnen fiel auf, dass Ihr Kind anders reagiert, anderes braucht und einfach anders ist. Schon ist die Schublade zurecht gezimmert. Ihr Kind zu beschreiben, ist viel schöner.

Mit einer Beschreibung kann Ihr Umfeld wie Kindergarten und Schule mehr anfangen, denn es setzt Phantasien frei und bewahrt vor einem Schubladendenken. Sonst würde aus meinem facettenreichen und farbenfrohen Kind schnell ein schwieriges Kind mit Etikett. Außerdem bekämen auch Sie schnell ein Etikett wie Helikoptermutter oder Curling-Eltern und würden als inkompetent und anstrengend beschrieben. Besonders wenn sich die Gesprächspartner mit dem Thema noch überhaupt nicht auskennen, kann es herausfordernd werden. Deshalb können Sie einfach Ihre Erfahrungen und Beobachtungen beschreiben.

Ihr Kind braucht kein Etikett – auch nicht von Ihnen!

Hilfreicher für alle ist es, die einzelnen Phänomene in den Alltagssituationen zu benennen und zu beschreiben. So sind Sie ja auch auf den Begriff Hochsensibilität gekommen. Sie haben Ihr Kind wohlwollend beobachtet und das Verhalten beschrieben. Der Begriff sagt lediglich, dass es viele (15-20%) Kinder gibt, die ähnlich sind und dass Ihr Kind normal ist, halt hochsensibel normal. Ein musikalisches Kind würde man ja auch nicht als unnormal bezeichnen, sondern als besonders. Vielleicht ist auch Ihr Kind „besonders normal“.

Was? Wann? Wo? Wie? Warum? – journalistisch beschreiben!

Damit sich andere ein Bild machen und eine Meinung entwickeln können, brauchen Sie eine Beschreibung. Vielleicht sind ja Erzieher:innen und Lehrer:innen gar nicht unverständig – wenigstens ist das unsere Erfahrung. Vielleicht brauchen sie erst einmal eine Beschreibung, weil sie doch willens sind, sich dem Kind zu widmen. Einem musikalischen Kind nehmen sie ja auch nicht das Instrument weg, nur weil sie vielleicht selber nicht musikalisch sind. Trauen Sie also Ihrem Gegenüber etwas zu.

Die farbenfrohen Feinheiten!

Besonders ist, wie Ihr Kind das Leben entdeckt, was es alles hört und sieht und fühlt. Beachtenswert ist, wie es Freude an vielen Feinheiten hat. Es ist von Geburt an achtsam, ohne je einen überteuerten Kurs mitmachen zu müssen. Es kann nur darin bestärkt werden und eine innere Erlaubnis entwickeln, sich zurückzuziehen oder bedachter an Dinge heranzugehen. 

Die facettenreiche Wahrnehmung!

Wenn ein Kind Dinge intensiver wahrnimmt, wird es auch stärker darauf reagieren. Die oft stärker ausgeprägten Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) kann man gut und positiv beschreiben. Dass sie vielleicht in eine Überforderung führen können, erklärt sich von selbst. 

Ein Kind mit einer stärkeren emotionalen Wahrnehmung nimmt schnell auch kleine Veränderungen in seiner Umgebung wahr. Irgendetwas sieht in der gewohnten Umgebung anders aus und dann fragt es sich natürlich, was das bedeuten könnte. Der Gesichtsausdruck der Eltern ist heute so komisch oder ihre Stimme klingt irgendwie anders und das Kind fragt sich, was denn da los ist. Es spürt Ihre Spannung, auch wenn Sie sich nicht vor den Kindern streiten.

Wenn man sich in die Wahrnehmung des Kindes hinein denkt, kann man sich auch gut vorstellen, dass es einiges gibt, wodurch es verunsichert werden kann. Und da ist es doch kein Wunder, wenn das Kind vielleicht etwas zurückhaltender und vorsichtiger ist. Es braucht einfach mehr Zeit, um sich auf neue Situationen einzustellen. 

Beschreiben Sie die phantasievolle Reizklärung!

Wichtig ist zu beschreiben, wie es klar kommt, wenn all diese Sinneseindrücke zu viel werden und wie es ein problematisches Verhalten besser in den Griff bekommt. Es baucht Menschen, die seine besondere Art nicht abwerten oder kritisch hinterfragen, sondern von denen es sich ernstgenommen fühlt.

Sie möchten mehr über hochsensible Kinder erfahren, dann schauen Sie mal hier.