Einfühlungsvermögen – mehr als ein Kuss!

Beitrag vom 01. Dezember 2022

Kennen Sie einen guten Nährboden für Ihr (hochsensibles) Kind? Interessanterweise ist hier vor allem simples Einfühlungsvermögen zu nennen. Es hat eine so hohe Bedeutung, da es die Entwicklung des Selbstwertes fördert.

Einfühlungsvermögen – Was ist Ihr Vermögen?

Bei der Erziehung von Kindern geht es um das Vermögen der Empathie und nicht um Reichtum. Der umgangssprachliche Begriff für Empathie ist Einfühlungsvermögen. Dabei geht es, wie es das Wort schon sagt, um die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in andere Menschen hineinzudenken und zu -fühlen.  Auch bei Erwachsenen spricht man von den Schuhen des anderen, in denen man gelaufen sein muss, um die Person zu verstehen. Die Gefühle, Gedanken und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden, ist ein großes Geschenk. Das setzt eine gute Aufmerksamkeit anderen gegenüber voraus und führt dazu, dass wir bedeutungsvollere Beziehungen mit anderen Menschen eingehen können. In vielen Bereichen erleichtert es die Kommunikation und führt zu einem wertschätzenden Miteinander. Wenn wir die Fähigkeit zur Empathie entwickeln können, ist es wie ein großer zu hebender Schatz. Wir haben dann das Vermögen (Reichtum, Besitz), uns einzufühlen. Schauen wir mal mit diesem Denken auf ein (hochsensibles) Kind. Ihm eine Persönlichkeit zuzugestehen, die sich noch entwickelt, schafft Raum.

Die Lizenz zur Empathie!

Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Das gelingt, wenn Kinder sich mit ihren ganz persönlichen Eigenarten, eben mit ihrer Persönlichkeit angenommen fühlen. Dann lernen die Kinder ihre Bedürfnisse kennen, ihre Eigenschaften, ihre Stärken und Schwächen und erleben, dass all das sein darf, was zu ihrem Wesen gehört. Wer einfühlsam ist, wird dann z.B. Schwächen nicht anprangern und ausmerzen, sondern verstehen, annehmen und den Umgang damit ermöglichen. Wenn man Kindern mit Einfühlungsvermögen begegnet, fühlen sie sich verstanden und können besser mit ihren Gefühlen, Wünschen, Sorgen und Ängsten umgehen. Sie werden also handlungsfähiger.

Verstehen wie Albert Einstein!

Einstein soll gesagt haben „Ich bin nicht schlau, ich bleibe nur länger dran.“ Er nahm sich Zeit, um die Dinge zu verstehen. Wie muss sich ein Kind fühlen, wenn die Eltern geduldig alles dran setzen, es zu verstehen? Dazu brauchen sie lediglich Einfühlungsvermögen – mehr nicht! Vielleicht erinnern Sie sich einfach mal an eine eigene belastende Situation, in der Ihnen jemand vermittelte „Ich weiß, wovon du redest und verstehe dich!“ Sicherlich kennen Sie genügend andere Reaktionen. Welche der beiden Varianten hat Sie aufleben lassen? Eben!

Einfühlungsvermögen als zentrale Kompetenz!

Wer am Kind wie Einstein „dran“ bleibt, um es zu verstehen, entwickelt Einfühlungsvermögen. Häufig klagen Eltern und Pädagogen über die Kinder und stellen kritisch die Schwächen heraus. Demgegenüber weisst nicht nur Stephanie Stahl in ihrem Buch: „So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl“ darauf hin, dass Einfühlungsvermögen nicht etwas Ergänzendes, sondern eine zentrale Kompetenz in der Erziehung ist. Eltern mögen dem Kind nicht alles bieten können und sind in der Regel auch nicht pädagogisch ausgebildet. Sie haben auch – hoffentlich – keinen 18-Jahresplan für ihr Kind. Wenn sie aber ihr Vermögen, sich einzufühlen, entwickeln und für ihr Kind einsetzen, bieten sie dem Kind einen guten Boden auf dem es selber Wurzeln schlagen und aufblühen kann. Wenn Einfühlungsvermögen der Nährboden ist, auf dem Kinder gedeihen, kann Kritik eine hilfreiche Korrektur der wachsenden Triebe sein. Wenn Kritik der Boden ist, sind die Kinder falsch ernährt. Empathie und Verständnis sind wie ein liebevoller Kuss, eine Zuwendung, die so schnell nicht vergessen wird und Ihr Kind durch das Leben begleitet.