Whataboutism – Ablenkung für Fortgeschrittene!

Beitrag vom 15. April 2022

Ich wollte doch nur eine Kleinigkeit ansprechen und klären und jetzt das. Man spricht ein Thema an und 3 Minuten später ist man bei einem ganz anderen Thema, das abendfüllend behandelt wird. Dahinter steckt die Methode des Whataboutism!

Whataboutism – Was ist mit…?!

Die Wortschöpfung Whataboutism macht uns auf ein Phänomen aufmerksam, das wir nicht übersehen sollten. Wenn man es verstanden hat, merkt man sofort auf und schaut sich Gespräche noch einmal genauer an.

Erlebt haben wir es sicherlich schon oft, ohne es zu merken. Es ist eine Strategie, vom Thema abzulenken. Man antwortet auf eine unangenehme Frage nicht, sondern lenkt mit  „Was ist mit…?“  auf ein anderes, neutraleres Thema. Im politischen Bereich kennen wir das Phänomen nur zu gut. Wenn ich nicht über die Armut in Deutschland sprechen möchte, weise ich auf die Armut in der Welt hin und bringe einige Beispiele.

Whataboutism – näher als wir denken!

In unseren privaten Diskussionen begegnet uns diese Taktik auch. Wenn ich beispielsweise die Frage der persönlichen Umweltverantwortung zulasse, wird es schnell sehr unangenehm. Ich müsste mich fragen, wie ich mein Kaufverhalten ändere, ob ich Fleisch esse oder ob ich im Sommer in den Urlaub fliege. Schon beim Lesen dieses letzten Satzes werden die meisten einen innerlichen Whataboutism erlebt haben. Denn sofort denkt man „Was ist mit China? Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen…“ Sehen Sie, es funktioniert. 

Bei der Frage der eigenen PKW-Nutzung und der Alternative mein Fahrrad oder die Bahn zu nutzen, sagen wir (jetzt sind wir schon geübt): „Was ist mit den großen Konzernen die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Lass uns an einer Demonstration gegen die Firmen teilnehmen, wir können auch gerne mit meinem Auto dort hin fahren!“

Die Ablenkung und nicht die Lösung ist das Ziel!

Der Sinn dieser Methode ist es, eine Diskussion ins Nichts laufen zu lassen. Es sollen keine Lösungen gefunden werden, die uns weiterbringen und es soll von einem unangenehmen Thema abgelenkt werden. Das gilt eben auch für den alltäglichen, zwischenmenschlichen Bereich. 

Whataboutism verhindert Begegnung!

Wenn sie in einer Beziehung die herumliegenden Socken anspricht, kann er die diversen Utensilien im Bad ansprechen. Beides sehr triviale Themen, die sehr leicht gelöst werden könnten, wenn wir beim Thema bleiben. Er kann auch sagen „Was ist mit deinem übertriebenen Ordnungswahn, den du von deiner Mutter hast?“ Und schon kann man stundenlang über die Mutter sprechen, ohne auch nur eine Socke wegräumen zu müssen. Es kommt aber nicht zu einer echten Begegnung und schon gar nicht zu einer Lösung.

Lenken Sie zu Ihrem Thema zurück!

Auf „Was ist mit…?“ können Sie antworten mit „Lass uns bitte bei einer Sache bleiben, dann können wir anschließend über dein Thema sprechen.“ Dabei ist es sehr hilfreich, die Ablenkung eher als notvolle Taktik wahrzunehmen. Ich brauche also gar nicht wütend werden. Mein Gegenüber nutzt Whataboutism, weil ihm das Thema unangenehm ist. Es zeigt erst einmal, dass mein Gegenüber sprachlich gewandt und intelligent ist. Wenn ich gelassen reagiere, heize ich die Stimmung nicht an, sondern führe das Gespräch in eine konstruktive Richtung.