Selbstmitgefühl (Teil 2)

Beitrag vom 15. März 2022

Kennen Sie die Gedanken die sich ungewollt in Ihnen breit machen wollen? Relativ häufig sind es selbstkritische Gedanken. Können wir sie entlarven und etwas dagegenhalten? Mit einer guten Haltung des Selbstmitgefühls mag es besser gehen.

Der erste Satz bedeutet gar nichts, der zweite bedeutet Alles!

Damit sind weniger die Sätze der anderen gemeint. Es geht um den  inneren ersten Gedanken, der uns wie aus dem Nichts anfliegt. Gerade war noch alles gut und jetzt sinkt meine Stimmung rapide ab. In mir macht sich ein negativer Gedanke breit.

Sehr schnell gibt es Gedanken, mit denen wir uns selbst beurteilen, bewerten und kritisieren. Das Ganze läuft schon so automatisch ab, dass wir es meist gar nicht mehr merken, aber wir beschäftigen uns mit diesen unangenehmen Gedanken und sie rauben uns leider viel zu viel Energie. Und das solange wir denken, was die meisten eben unaufhörlich tun. Der erste Gedanke mag einfach so da sein. Gebe ich ihm den kleinen Finger, nimmt er die ganze Hand. Der zweite Gedanke macht sich in uns fest.

Der innere Kritiker darf erwischt werden!

Es geht nicht um eine gesunde Selbstkritik. Es geht um den selbstkritischen Reflex der uns die Luft zum Atmen raubt. Wie ein inneres Programm läuft das dann ab. Deshalb ist es umso wichtiger, diesen inneren Satz wahrzunehmen und genau zu benennen. Auch wenn er so schnell da ist und kräftig in uns wachsen will, muss er sich in uns nicht fortpflanzen. Ich muss ihn nicht weg diskutieren, es reicht, wenn ich ihn identifiziere und im Idealfall auf Eis lege. Sicherlich kennen Sie solche Sätze die einfach hochkommen. Jetzt brauchen wir eigentlich Stift und Papier. Schreiben Sie sich einen solchen Satz mal auf und lesen ihn dann einige Male.

Ich muss ihm nicht alles glauben, was ich mir einreden will!

Wie wirkt der Satz aus einiger Entfernung? Ja, ich habe ihn oft gedacht und glaube ihn auch. Dennoch können wir uns üben zu einem solchen Gedanken in Distanz zu gehen. Das gelingt besonders dann gut, wenn ich zu seinem Kritiker werde. Ich könnte fragen, wo ich den her habe. Ich könnte mit ihm in Dialog gehen. Wenn wir einen solchen Gedanken quasi personifizieren und kritisch betrachten, gehen wir in Distanz. Dann ist er eben ein Gedanke in uns, vielleicht auch ein schneller, aber eben nicht mehr unser Gedanke.

Selbstmitgefühl glaubt, denkt und spricht anders!

Und da kommt wieder unser Selbstmitgefühl ins Spiel. Wenn ich Freundschaft mit mir selbst schließe, wie kann ich dann mit meinen inneren Stimmen umgehen? Ich könnte mich fragen, ob der erste Satz wirklich kritisch sein muss? Wenn der erste Gedanken ein Gedanke des Selbstmitgefühls ist, dann darf der zweite sich gerne in unserem Leben breit machen.

Wenn ich es gut mit mir meine, was würde ich mir jetzt sagen oder was würde ich dann für mich tun? Vielleicht beginnen Sie einen Gedanken mal so: „Weil ich es gut mit mir meine und Mitgefühl mit mir habe, denke ich…“. Schauen Sie den ersten Satz doch noch einmal an und formulieren ihn um. Es ist doch nur ein Satz – mehr nicht!