Gezerrte Verbindung!

Beitrag vom 15. Juli 2022

Wer einen Wasserskifahrer zieht, muss ihn beachten. Fällt die Person, ist Manöverkritik eine Schmerzerhöhung. Es entsteht eine gezerrte Verbindung. Viel schöner wäre eine beachtende Verbindung, die beiden Spass bereitet. Auch in Konfliktsituationen des Alltages ist Beachtung wichtiger als die ständige Anklage.

Wir zerren vor Gericht und lösen die Verbindung!

Ob privat oder beruflich, es ist uns ein inneres Fest, unser Gegenüber von „seinen Sünden“ zu überführen. Gerne machen wir es öffentlich und erzählen anderen davon. Schließlich haben wir doch Recht. Da macht jemand etwas falsch und ich benenne es, daran ist doch nichts auszusetzen. Wir übersehen die entstandene gezerrte Verbindung.

Die Pflanze der Enttäuschung bekommt den Seitentrieb der Anklage und Verurteilung zugleich. Seien Sie sich sicher, es veredelt die Pflanze nicht, sondern entstellt sie. Es reduziert uns auf die Rolle des Anklägers und Verurteilers und beschränkt uns. Wenn wir doch nicht beschränkt sein möchten, warum machen wir das dann?

Wir gewinnen Position und verlieren die Verbindung!

Wer sein Missfallen verdeutlicht, wird oft in eine tatsächliche Schwäche hineingreifen und berechtigte Kritik äußern. Filmreif kann ich meinem Gegenüber oder meinem Umfeld meine Situation beschreiben. Wenn ich Unrecht beklage, bekomme ich Aufmerksamkeit. Ich kann klagen, stehe im Mittelpunkt und gewinne meine Position. Das Umfeld wird mir häufig Recht geben und mir Aufmerksamkeit schenken. Ging es gerade noch um eine Klärung, geht es jetzt in epischer Breite um mich. Das nennt man Leidensgewinn und fühlt sich sooo schön an. Würde ich jovial den Konflikt klären, hätte ich nichts zu erzählen und bekäme keine Aufmerksamkeit. 

Ist das der Grund, warum alle Vorgesetzten immer unverständig sind? Nun, wir sagen eher: „Er/Sie ist doof!“, was immer das über uns aussagt. Ist es wirklich so, dass alle Vorgesetzte bei Dienstbeginn den Verstand verlieren, oder sind es einfach nur Personen, die nicht immer alles richtig machen? Vielleicht haben Sie sogar neben dem Verstand auch noch ein Herz. Dann könnte man sie als Menschen bezeichnen, so wie uns selbst! 

Eine Anhörung schenken!

Vor Gericht gibt es als Alternative zum Gerichtsverfahren die Anhörung. Eine beklagte Person kann sich zur Sache äußern und ihre Sicht darstellen. Das wird bei zwischenmenschlichen Konflikten oft übersehen, denn wenn ich anklage, möchte ich auch Recht bekommen. Genauer gesagt, bekommen wir häufig schon vor der Rechtssprechung Recht, denn wir sind in Konflikten Ankläger und Richter in einer Person. Damit ist das Urteil schon vor der Verhandlung klar. Unser Ärger macht aus einer Klärung einen Scheinprozess bei dem beide verlieren.

Wenn es gelingt, sich bei strittigen Fragen Zeit zu nehmen, beschenkt man einander mit einer Anhörung. Hören wir aufeinander, bis wir einander verstehen, könnte Verständnis füreinander das Ergebnis sein. Wollen wir miteinander klar kommen und gemeinsam wachsen oder möchten wir hauptsächlich Recht bekommen, wenn auch nur aus Prinzip?

Wer einer angeklagten Person eine Anhörung schenkt, nimmt sich Zeit und reinigt seine verstopften Ohren. Aus einer anklagenden wird ein hörende und verständige  Person. Verständige bemerken mehr, werden beziehungsfähiger und vielleicht glücklicher! Aber Vorsicht, nicht dass Sie  nachher noch klug und weise werden! Dann würde ich die Person, die ich ziehe und bewegen will, im Blick behalten.