Depression begegnen

Sie beginnt oft schleichend, aber plötzlich ist die Depression da. Wenn ich ihr klar begegne, ist die Chance einer Verbesserung groß. Ein offener Umgang mit der Depression und meinem Umfeld ist ein guter Anfang.

»Die meisten Menschen machen sich selbst bloß durch übertriebene Forderungen an das Schicksal unzufrieden.«

Wilhelm von Humboldt

Depression beginnt, indem vieles aufhört

Antriebslos, oder wie alles anfängt

Zu Beginn hat man nicht gleich den Gedanken, an einer Depression zu leiden und doch fühlt sich alles schwerer an. Man ist kraft- und lustloser geworden und sagt Sätze wie „Ich kann nicht mehr!“ oder  „Es ist alles grau in grau!“. So erlebt jede Person eine Depression unterschiedlich. Vor allem merkt man, es war einmal anders. Ja, die Erinnerung daran ist noch da, zwar etwas vergraben, aber jetzt geht’s nicht mehr. Obwohl man vielleicht sehr lange geschlafen hat, ist man dennoch müde und ohne Energie.

Ausgebremst sind alle Signale grau

Das Farbspektrum der eigenen Gefühle und die Erlebniswelt wird grauer. Die Stimmung ist gedrückt und man hat weniger Interesse und Freude. Lustlosigkeit macht sich breit und es fehlt die Motivation, Dinge anzugehen (Antriebsminderung).

Wenn sich die Depression erst richtig breit gemacht hat und nicht beachtet wird, kann sie sich steigern. Plötzlich gehe ich mit Einkaufsliste in den Supermarkt und bringe nur die Hälfte mit. Ich nehme bei Einladungen Termine nicht an und quäle mich hinterher mit Schuldgefühlen. Die Vorstellung, gleich mit der Familie am Tisch zu sitzen und zuhören zu müssen, erzeugt eher Angst als Vorfreude. Wie verschiedene Grautöne legt sich ein Schleier über unsere Wahrnehmung.

Rückzug ist der falsche Zug

Man fühlt sich nicht mehr wohl in seiner Haut und Familie oder Freunde wundern sich schon, dass man sich mehr und mehr zurückzieht. Dass man sich damit nichts Gutes tut, weiß man ja selbst. So fehlt noch mehr die Gelegenheit, belebende Erfahrungen zu machen. 

Ob Sie unter einer Erschöpfungsdepression oder einer depressiven Verstimmung leiden, es fühlt sich vieles plötzlich komisch an. Was vor einiger Zeit noch Spass gemacht hat, verblasst und wird unattraktiv. Solche Gefühle als Symptome wahr zu nehmen und erst einmal neutral zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt. Damit sich die Depression wieder verbessert, geht der zweite Schritt nach außen.

Gemeinsam langsam beginnen

Je offener wir die Depression angehen, desto besser kann uns geholfen werden. Auch das nahe Umfeld sollte man mit einbeziehen. Die machen sich doch vermutlich schon lange Gedanken und sind unsicher geworden. Übrigens zeigt sich ein guter Freund darin, die Symptome auch ungefragt zu benennen und Hilfe anzubieten. Wichtig ist: Sie sollten mit Ihren Sorgen nicht alleine bleiben. Gerade hier gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Da wir unterschiedlich an Depressionen leiden,  gibt es umfangreiche Möglichkeiten der Hilfe. Nur eines gibt es nicht: keine Möglichkeit! Es gibt für jede Situation entsprechende Hilfsangebote, die Sie in Anspruch nehmen können. Ob Sie regelmäßige therapeutische Gespräche nutzen, begleitend Medikamente einnehmen oder über die Angebote einer (Tages-) Klinik nachdenken möchten, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Hausarzt überlegen. Zusätzlich zur ärztlichen Begleitung biete ich in Großburgwedel und meine Frau in Hannover Beratung an. Gerne begleiten wir Menschen mit Depressionen, Burnout oder auch Personen, die sich gerade in einer privaten Krise befinden.

Depression hat nichts mit Versagen zu tun!

Ähnlich wie beim Burnout fühlt man sich bei einer Depression sehr schnell schuldig. Man hat es sich selbst eingebrockt, so denkt man und meint, es alleine in den Griff bekommen zu müssen. Wenn wir eine Depression als Erkrankung wahrnehmen, die einfach nur behandelt werden möchte, sieht die Situation anders aus. Niemand würde bei einem Beinbruch jede medizinische und therapeutische Hilfe ablehnen und es alleine schaffen wollen. Hilfe in Anspruch zu nehmen, hat also nichts mit Versagen, sondern mit Intelligenz zu tun.

Sabine Konietzko

close

Wenn Ihnen unsere Beiträge gefallen, können Sie gerne unseren Newsletter abonnieren. Er erscheint alle paar Wochen und enthält die neusten Fundstücke.